▸ artikel · 11. Juli 2026 · Marc Wustrack
Ein Mann veröffentlicht sein .claude-Verzeichnis, und GitHub dreht durch
Was mattpocock/skills über den Zustand von AI-Coding verrät: Agenten scheitern nicht an Intelligenz, sondern an fehlendem Prozess. Und was Teams daraus lernen sollten.
Matt Pocock kennt man in der TypeScript-Welt. Kurse, Newsletter, die Sorte Mensch, deren Tweets in Team-Channels landen. Anfang des Jahres hat er etwas gemacht, das auf den ersten Blick banal klingt: Er hat sein persönliches .claude-Verzeichnis auf GitHub gestellt. Die Konfiguration, mit der er selbst arbeitet. Untertitel: "Skills for Real Engineers."
Das Repo stand danach wochenlang in den GitHub-Trends und hat zigtausende Stars eingesammelt. Für eine Sammlung von Markdown-Dateien.
Warum? Weil es einen Nerv trifft.
Skills sind keine Prompts
Kurz zur Einordnung: Ein Skill ist eine Anleitung, die ein Coding-Agent wie Claude Code bei Bedarf lädt. Eine Markdown-Datei mit einem klaren Auftrag: So führst du ein Anforderungsgespräch. So arbeitest du testgetrieben. So diagnostizierst du einen Bug, statt wild Code zu ändern.
Der Unterschied zum klassischen Prompt: Ein Prompt ist ein Zuruf. Ein Skill ist ein Prozess. Er ist versioniert, er ist wiederholbar, und er funktioniert für jeden im Team gleich, nicht nur für die Person, die den magischen Satz kennt.
Pocock adressiert damit sehr präzise die vier Arten, auf die AI-Coding im Alltag scheitert: Der Agent versteht die Aufgabe falsch. Er produziert zu viel auf einmal. Er baut Fehler ein. Und er verschlechtert schleichend die Architektur, ein Commit nach dem anderen.
Kommt euch bekannt vor? Eben.
Der Agent verhört dich, bevor er baut
Mein Favorit aus der Sammlung heißt /grill-me. Die Idee: Bevor der Agent auch nur eine Zeile schreibt, führt er ein hartes Interview. Eine Frage nach der anderen, so lange, bis der Plan wasserdicht ist. Welche Zielgruppe? Welcher Kanal? Was ist der eigentliche Engpass?
Ich nutze das inzwischen für Dinge, die mit Code nichts zu tun haben. Der Effekt ist jedes Mal derselbe: Die Hälfte meiner Annahmen überlebt das Gespräch nicht. Und genau das ist der Punkt. Der teuerste Fehler beim Delegieren an Agenten ist nicht der Bug im Diff. Es ist der perfekt umgesetzte falsche Plan.
Dazu kommen Skills wie /tdd für sauberes Red-Green-Refactor, /grill-with-docs für Anforderungsklärung mit Dokumentation als Nebenprodukt und eine ganze Reihe kleinerer Werkzeuge fürs Debugging und die Architekturpflege. Installiert ist das Ganze in einer Minute:
npx skills@latest add mattpocock/skills
Die eigentliche Lektion steckt nicht im Repo
Man kann mattpocock/skills einfach installieren und benutzen. Kann man machen, ist auch ein guter Start. Aber dann hat man die Pointe verpasst.
Die eigentliche Botschaft ist: Hier zeigt ein sehr erfahrener Engineer öffentlich, dass sein Vorsprung mit AI-Tools nicht aus Geheimwissen besteht. Sondern aus kodifizierter Arbeitsweise. Aus Prozessen, die so klar aufgeschrieben sind, dass sogar eine Maschine sie befolgen kann.
Und das ist exakt die Stelle, an der die meisten Teams gerade stehen bleiben. Die Lizenzen sind da. Zwei Enthusiasten im Team sind schnell geworden. Aber ihr Wissen lebt in ihren Köpfen und ihren privaten Konfigurationen, statt in etwas, das man reviewen, versionieren und weitergeben kann.
Ein .claude-Verzeichnis im Team-Repo ist ein Teamstandard. Einer, der bei jedem Klon mitkommt.
Was ihr morgen damit anfangen könnt
Mein Vorschlag, ganz unironisch: Nehmt euch das Repo als Vorlage, nicht als Fertigprodukt. Lest zwei, drei Skills durch und fragt euch, welche Prozesse in eurem Team ständig mündlich neu erklärt werden. Der Review-Ablauf? Die Definition of Done? Wie man bei euch einen Bug eingrenzt?
Genau das sind eure ersten eigenen Skills. Klein anfangen, ins Repo legen, im Alltag nachschärfen.
Wenn ihr dabei Unterstützung wollt, von der Bestandsaufnahme bis zu Teamstandards, die ohne mich weiterlaufen: Genau dafür gibt es windschatten.